Länge 25,7km/ 27,6km, Aufstieg 320m/400m, Abstieg 590m/700m, Dauer 5h netto
Soviel vorweg: Es war ein gebrauchter Tag.
Nach einem tollen Frühstück mit Obst und Cornflakes war bereits der Einstieg in die Etappe nicht einfach. Ein Suchspiel nach dem wirklichen Weg endete darin, dass wir einen lange nicht mehr benutzten Weg fanden und in einem abschüssigen Hang zur nächstgelegenen Straße abstiegen.
Und genau dann passierte etwas, was den weiteren Tagesverlauf bestimmte.
Ich entdeckte eine Markierung auf einem Nebenweg der Straße, dem ich schnell abwärts folgte, während der heilige Markus sich mit seinem Reiseführer in der Hand für den Weg auf der Straße entschied. Dies bemerkte ich aber erst, nachdem ich im Tal war.
Ich war in dieser Situation blind, da dieser heutige Streckenabschnitt durch keinen GPS-Track auf meinem Handy und auch nicht über meinen Reiseführer beschrieben war. Ein Telefonat mit dem heiligen Markus führte zu der Erkenntnis, dass wir einen Vereinigungspunkt definieren mussten, an dem unsere unterschiedlichen Wege wieder zusammenführten. Wir definierten eine Links-Serpentine als Treffpunkt. Jedoch gab es im Kartenprofil zwei davon. Eine in der Nähe unseres letzten gemeinsamen Ortes und eine weit jenseits des Tales, in dem ich mich schon befand.
Natürlich entschied ich mich mich für die falsche Serpentine und sammelte so weitere Höhen- und Längenmeter. Dieser Irrtum deckte sich erst nach einem Austausch von SMS auf (Telefonate führten seltsamerweise in ein lokales italienisches Netz, in dem ich mehrfach mit einer temperamentvollen Dame sprach, mit der ich mich allerdings nicht wirklich verständigen konnte).
Ich bat den heiligen Markus daher, mir ein Bild aus dem Streckenverlauf zu senden, was er dann in Abständen tat. Allerdings waren die Bilder ohne den beschreibenden Text aus dem Reiseführer zum Teil schwer auf die sehr mäßig vorhandene Beschilderung des Weges zu übertragen. So gingen wir dann die Etappe zeitversetzt und mit unterschiedlichen Hilfsmitteln versehen. Ich ärgerte mich über die Situation und gab in einem nach meinem Empfinden staubigen und uninteressanten aber dafür mit einer gnadenlosen Sonneneinstrahlung ausgesetztem Streckenverlauf alles, um die ca. 45 Minuten Zeitversatz aufzuholen.
Irgendwann und durch die Wahl unterschiedlicher Wege hatte ich den heiligen Markus unbemerkt überholt und wir trafen uns hinter einer Brücke über einen Tiberstausee. Danach folgte ein ermüdender fast 10km langer und im wesentlichen schnurgerader Weg vorbei an regulierenden Wasserauffangbecken für den Stausee, in dem sich unsere Wege erneut trennten.
Völlig genervt von der Tour und mit der Hoffnung auf eine Dusche und etwas Erholung erreichte ich den Zielort und die Unterkunft, in die ich aber nicht hineinkam, da der Vermieter verschollen und die Bewohner des Hauses mir sehr temperamentvoll und auf italienisch zu verstehen gaben, dass sie mich nicht reinlassen konnten. Nach einem Cappuccino und diversen Telefonaten schließlich und der Ankunft meines Mitpilgers konnten wir die Unterkunft mit Gemeinschaftsbad betreten, zu der sich im späteren Verlauf auch weitere Pilger gesellten, die in der Nutzung der Toilettenspülung nicht bewandert waren und diverse nicht näher zu beschreibende Gebrauchsspuren hinterließen.
Es war also ein sehr gebrauchter Tag.
Highlights waren die wunderbare Altstadt von Sansepolcro und das vorzügliche Abendessen, bei dem wir unsere schweizerische Mitpilgerin erneut trafen und uns vortrefflich über gebrauchte Tage und andere Dinge des Pilgerdaseins austauschen konnten.