Aufbruch 08.45 Uhr aus dem gastlichen und von einem Trupp Gouvernanten bewirtschafteten Haus. Diese in grün gekleideten Damen ließen keinen Moment aus, uns unsere angeborene Unselbständigkeit spüren zu lassen. Weder beim Bezug des Zimmers am Vortag (es gab eine Einweisung in alle elektronischen Einrichtungen und deren Fernbedienungen), noch beim Verlassen des Hauses zum Abendessen (es gab einen Tausch des Zimmerschlüssels gegen grüne Regenschirme) und natürlich auch nicht beim Frühstück (gewisse Gerätschaften wie Kaffemaschine, Entsafter sowie Toaster durften von uns aus Gründen der Unfallverhütung nicht selbst bedient werden).
Markus wünschte sich noch abends einen Gutenacht- und morgens einen Abschiedskuss, welche ihm aber leider verwehrt blieben.
Dafür ging es nun hinaus in den anfangs noch seichten Regen, der sich von km zu km verstärkte. Die Aussicht, 24 km im Regen zu laufen und dabei bis auf die Knochen durchzuweichen, sorgte bei uns für gemischte Gefühle.
War das äußerliche Bild unserer Mitpilger und solcher, die es sein wollen, gestern noch geprägt durch unvorteilhafte, dafür aber schön anzusehende Dresses, gab es heute eine Auswahl ausgeklügeltster Regenschutzvarianten zu bestaunen; vom einfachen Poncho über Nerze und Regenjacken bis zu aufwändigen Schirmsystemen.
Allerdings hatte die Anzahl der sich auf ihren Füßen bewegender Pilger erstaunlicherweise stark abgenommen, dafür hatten die Bars und Taxis Hochkonjunktur, beide waren gut augestattet mit fast vollständig von innen beschlagenen Fensterscheiben.
Nun zum eigentlichen Weg: wie bereits in den letzten Tagen gab es ein seichtes Auf und Ab durch Mauerumsäumte Wege. Viele Bäume waren umrankt von Efeu, alle Bäume haben inzwischen ihr Laub. Durch den Regen ist das Grün sehr satt, ab dem Ort Melide (hier gibt es den besten Pulpo Spaniens!) auf halber Strecke geht es häufiger durch duftende Eukalyptus-Wälder. Herrlich!
Die Strecke war schnell überbrückt. Das heutige Ziel ist ein sehr kleiner Ort, die Unterkunft ein Gehöft aus dem 17. Jahrhundert, abgelegen und wunderschön. Heute probieren wir die Küche des Hauses aus.
Ich bin gespannt, was uns morgen erwartet. Es sind nur noch 43 km bis nach Santiago!