Etappe 12 von Buente nach O Pedrouzo

29,2 Kilometer, 540 Meter im Aufstieg, 680 Meter im Abstieg, Albergue El Aleman

Morgen nun ist es soweit, das große Finale. Nur noch 20 Kilometer nach Santiago. Aber wenn ich so in mich hinein höre, dann ist da so eine gemischte Stimmung. Ich freue mich anzukommen. Ich freue mich (hoffentlich) wieder den Dudelsackspieler am Torbogen zu hören. Ich freue mich darauf wieder auf dem Platz vor der Kathedrale zu stehen. Ich werde mich auch wieder auf die Mauer sitzen, wo ich schon 2016 saß, und mich einfach meinen Gefühlen hingeben.
Aber was ich in den letzten zwei Tagen erlebt habe, ist für mich erschreckend. Weit über 90% der Leute sind die 100 Km Pilger. Große und kleine Gruppen, Familien mit Kinderwagen, Radfahrer, und vieles mehr. Mit Musikbegleitung und Partystimmung. Und das ganze begleitet durch Souvenirstände und Cafes mit Partymusik. Das ist einfach nur würdelos.
Es ist ja nicht mein erster Pilgerweg, und ich bin ja schon 2016 hier angekommen. Aber mit dem was ich hier gesehen habe, wird das mein letzter Camino gewesen sein.
Der Tag heute fing diesig an, und wurde dann im Laufe des Vormittags immer besser. Und irgendwann bin ich im Sonnenschein gelaufen. Ein Gefühl welches ich schon lange nicht mehr hatte. Ein Camino Frances Pilger erzählte, er hätte keinen Regentag gehabt. Das fand ich unfair.
Der Weg zog sich doch noch ganz schön in die Länge, am Ende standen wieder knapp 30 Kilometer auf der Uhr. Und das Ganze mit einigen Höhenmetern. Immer wieder Auf- und Ab, das summiert sich dann am Ende doch.
Ich bin heute mit Prasanth gelaufen. Wir hatten gute Gespräche unterwegs, und so verging die Zeit dann doch schnell. Die ersten 10 Kilometer waren schnell weg. Danach wurde es zwar etwas zäher, aber mit einigen Pausen war die Etappe heute gut zu laufen.
Morgen werde ich dann alleine laufen. Mit Musik in den Ohren werde ich mich von der Außenwelt abschirmen und mein Ding machen. Jeden Kilometer zelebrieren, in Lavacolla die rituelle Waschung machen, auf dem Monte de Gozo den ersten Blick auf die Kathedrale werfen, und dann langsam in die Stadt laufen.

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