20,4 Km, 670 Meter im Aufstieg, 240 Meter im Abstieg, Alberge el tulipan
Gestern Abend hatte ich zum ersten Mal das Pilgermenue. Wir saßen alle zusammen unten im Hostel, haben zusammen gegessen und anschließend noch länger dort gesessen. Ein Vater/ Sohn Duo aus England, zwei Brüder aus Portugal, die Holländerin, ein Ungare, ein weiterer Engländer und ein Deutscher. Es gab gute Gespräche rund um das Weltgeschehen, es ist immer wieder spannend zu hören wie andere Nationen denken.
Was ich aber bisher auf diesem Camino vermisse, ist die Gemeinschaft. Man grüßt sich, ist nett zueinander, es bilden sich aber keine Beziehungen.
Auf die Frage warum läufst Du den Camino, höre ich Antworten wie: muss man einmal gemacht haben, Trainingsvorbereitung auf das Bergwandern, eine Frau hat den Camino Frances nach der Messeta abgebrochen und läuft nun den Primitivo, der Frances war Ihr zu langweilig und Sie suchte neue Herausforderungen.
Mal schauen was dieser Camino noch bringt.
Die Etappe heute war zwar nicht lang, aber trotzdem irgendwie anstrengend. Auch beim Blick auf das Höhenprofil frage ich mich, warum meine Beine so schwer sind.
Der Weg ging am Anfang lange bergauf, um sich dann in einem stetigen Auf- und Ab durch die Landschaft zu schlängen. Es gab kurze, sehr schlammige Abschnitte, und auf der Strecke gab nur sehr wenige Möglichkeiten Rast zu machen. Eigentlich gab es ab Kilometer 8 bis nach Tineo keine Plätze. Der Weg war eng begrenzt durch Zäune, es gab feuchte Hohlwege durch Wälder, und überall hohes nasses Gras. Da meine Beine sich langsam verkrampft haben, habe ich mich dann auf einen Camino-Wegweiser gesetzt. Geht auch.
Die Landschaft hier ist stark geprägt durch Weiden und Tierhaltung, während es beim Camino Frances eher Weinanbau gibt. Überall hört man Kuhglocken.
Kurzer Gesundheitscheck nach 3 Etappen:
die Schultern melden sich durch den Rucksack, ist aber nicht schimm.
meine Knöchel merke ich beim Laufen, ist auch nicht schlimm.
gleich am Montag habe ich mir am linken Bein aussen auf Höhe der Hüfte etwas geklemmt. Ein kurzes Gespräch am Wegesrand, und beim Loslaufen hat es heftig gezogen. Das läuft sich jetzt so langsam heraus, es wird besser. Beim Anlaufen brauche ich etwas, dann geht es.
Meine Knie machen überhaupt keine Probleme, ich kann es kaum glauben. Ich bin mit leichten Knieschmerzen angereist, dachte oh weh, aber es läuft.
Und bisher keine Blasen an den Füßen.
Heute übernachte ich in einem Palacio. Oben ist das ein mondänes Hotel, und im Keller haben die sehr moderne Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger geschaffen.
Ich habe mich ja fast nicht getraut dort einzutreten, und habe auch kleine Sandhaufen von meinen schlammigen Wanderschuhen vor der prächtigen Reception hinterlassen. Ausziehen war jetzt aber auch keine Option, das wollte ich den Leuten nicht antun.








