Etappe 25 von Monte Sacro zum Petersplatz

14,7 Kilometer, 100 Meter im Aufstieg, 100 Meter im Abstieg

Heute war der Tag. Der Tag an dem alles endet, der Tag des Ankommens.
Wie beginnt man solch einen Tag? Nun, Rom lässt da wenig Zeit zum träumen. Der Verkehr ist allgegenwärtig. Möchte man auf den letzten Kilometern nicht noch unter die Räder kommen, ist Konzentration angesagt. Aber die letzten 5 Kilometer gehen dann am Tiber entlang. Unten am Fluß schlängelt sich ein wenig benutzter Rad/ Fußweg entlang. Und dort, mit Musik in den Ohren, kam alles wieder hoch. Bilder erschienen und verschwanden. Emotionen gingen wie eine Welle in mir auf und ab. Mal ging ich schneller, ich wollte ankommen. Mal ging ich langsamer, es sollte noch nicht zu Ende sein. Und dann kam ich um die nächste Flußbiegung, und da war er, der Petersdom. Seine Kuppel, ganz nah. Der Moment war unbeschreiblich, ich stand dort etliche Minuten und ließ meinen Gefühlen freien Lauf. Nur noch wenige Schritte und ich stand vor der Treppe, welche mich hoch zur Straße brachte. Ich zelebrierte jede Stufe. Und oben angekommen hatte ich auf einmal das Gefühl ein Mensch aus einer anderen Zeit zu sein. Unten am Tiber war es ruhig, ich war fast alleine. Oben stand ich plötzlich inmitten von lauten und hektischen Touristen. Ein bunter Ameisenhaufen, und ich als dreckiger und verschwitzter Pilger mitten drin. Die Musik in meinen Ohren noch lauter gemacht, bewegte ich mich langsam vorwärts in Richtung Petersplatz. Die Menschen strömten links und rechts an mir vorbei, ich hatte das Gefühl ich bin ein Fels in einem strömenden Fluss. Auch wenn die Schritte noch so langsam sind, irgendwann ist man da. Am Ziel. Ein Gefühl welches man mit Worten nicht bescheiben kann. Ich setzte mich auf die Treppenstufen vom Säulengang, die dunkle Sonnenbrille auf, den Hut tief in die Stirn gezogen. Und wie schon unten am Tiber ließ ich auch hier meine Gefühle heraus. Wie lange ich dort so gesessen habe weiß ich nicht mehr, aber irgendwann sah ich die beiden Österreicherin. Und auch sie sahen mich, und es gab ein großes Hallo. Und kurz danach kam auch Rikke, meine Dänische Mitpilgerin, auf den Platz. Ich wollte die letzten Kilometer am Tiber entlang alleine laufen, und so hatten wir uns getrennt. Wir saßen dann alle zusammen auf den Treppenstufen, die Traurigkeit verschwand. Es wurde dann lustig und laut, die Leute um uns herum schauten uns schon etwas komisch an. Aber Zeit hat die Eigenschaft zu vergehen, und ich wollte mir noch das Testimonium (Pilgerurkunde) aus dem Dom abholen, sowie mein Appartment beziehen. Als Pilger kann man die lange Warteschlange zum Dom abkürzen. Es gibt einen separaten Eingang für Leute die z.B. beten wollen und Pilger. Ein echter V.I.P Moment. Das Testimonium abgeholt, den Rucksack abgegeben, und dann noch ruhige Momente im Dom verbracht. Am Ende stand noch ein ca. 5 Kilomter langer Fußweg zu meinem Apparment an. Auch der war irgendwann geschafft, und am Abend dann noch ein Essen mit den Mitpilgern zum Abschluss.

Resumee: der Weg ist landschaftlich sehr schön. Sehr abwechslungsreich. Aber sehr hart zum laufen. Viele Höhenmeter, steile An- und Abstiege (z.T. richtig hart), längere Asphaltstrecken, und überwiegend schlechte Wege. Und am Ende läuft man ca. 2 Tage durch eine touristische Großstadt, wo man sich als Pilger nur bedingt willkommen fühlt. Beispiel: das Testimonium bekommt man im Dom an der Garderobe zum selbstausfüllen. Nach Tagen und Wochen der Pilgerei nicht sehr wertschätzend.

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