Etappe 19: Von Marmore nach Poggio Bustone

Es war ein sehr früher Start in den Tag. Zum einen galt es, eine schwierige Etappe von etwa 28 km und knapp 1000 Höhenmetern zu bewältigen, zum anderen versprach die Wetterprognose ergiebigen Regen.

Nach dem netten selbstorganisierten Abendessen konnte ich mich noch an einigen Resten laben. Markus wollte die heutige Tour nicht mitlaufen, um seine Knochen etwas zu schonen. Gegen 07.45 Uhr verliess ich die Unterkunft, machte einen Schlenker an einer anderen Herberge vorbei, um für einen Mitpilger ein vergessenes Utensil mitzunehmen und wanderte zunächst bei schönem Wetter mit atemberaubenden Wolkenformationen am Himmel an einem Fluß entlang in Richtung eines größeren Sees, den ich schließlich umrundete. Ich passierte einen beschaulichen Ort. Schöne Bars luden zum Verweilen ein, eine Badeinsel lud zum Baden ein, kleine und etwas größere Boote luden zum Paddeln ein.

Es ging aus dem Ort heraus und hier begann der sehr lange Anstieg von etwa 10 km. Zunächst ein sehr steiles Stück zu einem kleinen Örtchen auf einer Bergkuppe gelegen. Ich schritt durch ein altes Stadttor und fand mich wieder inmitten kleiner Gassen, Treppen, einem mittelalterlich anmutenden Ambiente. Hier waren nirgends offensichtliche Bausünden oder Stilelemente des 21. Jahrhunderts zu finden. Die Zeit schien stehengeblieben zu sein. Die Ausblicke in Richtung des umrundeten Sees und des Tals, aus dem ich gekommen war, waren grandios.

Es ging weiter aus dem Ort hinaus weiter zunächst moderat bergauf und nach einer kurzen Rast an einer Bar mit Marmeladen-Croissant und einem Capuccino vorbei an einer etwas müde wirkenden Mitpilgerin zunehmend steiler bergauf. Ein Streckenabschnitt ließ mich erstmals seit Laverna wieder richtig schwitzen. Danach führte der Weg wieder etwas sanfter auf knapp 1100 Meter Höhe. Kurz vor dem Gipfel versperrte mir in etwa 50 Meter Entfernung ein Wolf den Weg und machte keine Anstalten, den Weg für mich zu räumen. Ich ging ein wenig auf ihn zu und hob einen mittelgroßen Stein für ihn sichtbar vom Boden auf. Er nickte mir zu und verschwand nach links vom Weg zu einem kleinen Rudel, welches ich vorher nicht gesehen hatte. Was für ein besonderes Tier ist doch der Wolf. Kräftig, geschmeidig und wirklich schön anzusehen.

Kurze Zeit später stand ich auf dem Gipfelkreuz und stieg etwa 4 km zum Teil steil ab.Kurz vor Ende des Abstiegs setzte Regen ein, es wurde sehr glatt auf dem Weg.

Kurze Zeit später überholte ich zwei Mitpilgerinnen aus Österreich, die ich auch schon einige Male getroffen hatte. Völlig durchnässt kam ich in der Unterkunft in Poggio Bustone an, einem Ort, der gefühlt aus einer Straße und ansonsten nur aus Treppen besteht.

Gleich geht es auf die Suche nach der besten Bar und dem besten Restaurant. Ich denke, wir werden fündig werden.

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