Etappe 10: Von Citta di Castello nach Pietralunga

Es war die erwartet lange und schwere Etappe. Ein heißer sonniger Tag lud ein, die knapp 30 km und ungefähr 1000 Höhenmetern auf größtenteils asphaltierten Straßen zu bewältigen.

Bereits um 06.30 Uhr nahm ich mein Frühstück ein, das bisher beste auf meiner Tour und traf mich gegen 8 Uhr am Friedhof der Stadt mit meinem Nürnberger Mitpilger. Wir starteten stramm durch und erreichten nach ca. 1 h die einzige Möglichkeit vor dem langen Aufstieg noch einen Capuccino einzunehmen.

Danach ging es mit Ausnahme zweier kurzer Abstiege den ganzen Tag nur bergauf. Zwar war die Steigung stets unter 20%, allerdings brannte die Sonne unbarmherzig. Nach etwa 4 h erreichten wir einen Brunnen, den wir halb leer tranken. Nach einem Abstieg und weiteren mehr als 2 h schließlich standen am unteren Ende von Pietralunga. Der Ortskern war auf kürzestem Wege nur durch Treppen zu erreichen. Die Beine haben sich bedankt.

Nun gab es eine besondere Begegnung, die ich den interessierten Lesern nicht vorenthalten möchte. Kurz vor Zieleinlauf rief mich die Wirtin meiner Unterkunft an und erkundigte sich nach meiner Ankunftszeit, Ich antwortete, dass ich mich zunächst in einer Bar nach der langen Tour mit einem Kaltgetränk erfrischen wollte, Dort sitzend bemerkte ich einen Italiener, der neugierig die Gäste begutachtete und mich zu meiner Überraschung mit meinem Namen konfrontiert. Es war offenbar der Mann der Wirtin, der den Auftrag hatte, mich zu suchen und einzusammeln. So geschah es dann, dass ich als Pilger auf seine Lambretta stieg und als Sozias zu der zugegebenermaßen noch etwas weiter entfernten Unterkunft gebracht wurde.

Später traf ich mich gefühlt mit allen bisherigen Pilgern dieser Tour zum Essen. Bei Alpenüberquerungen ist es üblich, den Überquerern eindeutige Spitznamen zu geben. Von meinem Nürnberger Mitpilger alias Hundeflüsterer vorgeschlagen, gaben wir uns nun treffende Namen. Aus Martin wurde Brustbeutel-Martin, aus der Mitpilgerin aus Ravensburg wurde La Blonda, aus einer Mitpilgerin aus München wurde Bärentatze, aus einer weiteren Mitpilgerin wurde die Hüfte und aus meinem Mitpilger aus Stuttgart wurde der Wettergott.
Etwas weinselig beendeten wir den Abend.

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