Es war der erwartet schwere und mürbe machende Abschnitt. Der Wirt des besten Restaurants des Ortes warnte mich bereits während meiner Bistecca Fiorentina vor ausgiebigen Regengüssen am nächsten Tag.
Ich hatte noch die Doppeletappe des gestrigen Tages in den Beinen, als der Wecker klingelte. Das Zeitschinden half nichts. Ich musste ja los. Das Packen des Rucksacks ist nach vier Tagen bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Nach 20 min ist alles erledigt. Danach gab es die übliche Kombi aus Croissant (ohne Pistaziencreme) und Capuccino. Meine Wassertanks wurden aufgefüllt und schon ging es um ca 8 Uhr los in den Regen – der Wirt hatte leider Recht.
Ich ahnte schlimmes. Manche Wege sind im Regen schwer zu begehen. Und so war es auch. Nach wenigen Metern war ich durchgeweicht und kämpfte mit dem ersten Berg-Einstieg nach dem Ort. Jeder Schritt aufwärts brauchte 30-50% mehr Krafteinsatz und eine hohe Konzentration. Glatte Steine, Holz und Schlamm sorgen für wenig Halt auf Steigungen von erneut mehr als 20%. Ich schwitzte in der Regenjacke, meine Schuhe waren sofort nass.
Ich gewann langsamer als sonst an Höhe, die Beine schmerzten durch das ständige Ausbalancieren. Aber auch das Bergab war kein Vergnügen.Im Gegenteil. Die Gefahr des Ausrutschen und des Kontrolle Verlierens war noch höher. Im Schneckentempo kroch ich die Berge wieder runter. Es tropfte überall. Irgendwann nach etwa 2 h hörte der Regen auf. Ich fand etwa 1 h später einen lichten Platz und konnte Lunch essend bereits den nächsten zu bezwingenden Berg sehen.
Nach dem Lunch kroch ich in das Tal herab durchquerte einen kleinen Ort und wollte für den Einstieg einen Bach an einer Furt überqueren. Leider hatte der Bach bereits das Regenwasser gut aufgenommen und ähnelte eher einem Fluß. Ich versuchte Bachabwärts eine Stelle zum überqueren zu finden. Ohne Erfolge. Es gab auch weit und breit keine Brücke. Da ich aufgrund der sehr spitzen Steine auf gar keinen Fall barfuß durch den Bach waten wollte, musste eine andere Lösung her. Ich fand beim Studium meiner Karte etwa 500 m oberhalb meines Standortes eine potenzielle Möglichkeit, den Bach zu überqueren.
Es gelang tatsächlich. Auf der anderen Seite gab es auch tatsächlich so etwas wie einen Weg, jedoch lange nicht mehr benutzt. Dornensträucher, Brombeeren, dichtes Gestrüpp versüßten mir die Möglichkeit, wieder auf den alten Weg zurückzukommen. Ein Zugang am Ufer entlang war nicht möglich, ich musste die dornige Variante wählen. Langsam quälte ich mich in Serpentinen hoch und stieß völlig entnervt auf den Franziskusweg.
Dieser windete sich in sehr steilen kurzen Serpentinen nach oben. Alles war rutschig. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich auf dem Kamm. Auf den Wegen stand der braune Modder. Irgendwann überquerte ich eine Straße und kam in den schönen Märchenwald unterhalb von Laverna. Jedoch drohte ich bei jedem zweiten Schritt im Morast zu versinken. Der Regen setze wieder ein und ich kam bis auf die Knochen durchgeweicht im Kloster Laverna an. Was für ein Ritt, den ich sicher nie vergessen werde.
Ein einfaches Pilgermenü und ein paar angenehme Unterhaltungen mit zwei Mitpilgern halfen mir, neue Kräfte zu sammeln. Die knapp 1100 Höhenmeter unter den geschilderten Umständen zu bewältigen, haben mich sehr stark an meine Grenzen gebracht. Ich werde sicher früh schlafen.
Oh wie…. Das klingt nach morgendlichem Muskelkater. Hoffentlich werden deine Klamotten trocknen bis dahin. Viel Glück 🍀
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„Oh wei“ soll es heißen !
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