Etappe 4: Von Stia nach Badia Pradaglia über Camaldoli

Die Wetterprognosen sowie die Aussicht auf die erste der zwei Doppeletappen dieser Pilgerschaft trieben mich früher als gewohnt aus dem Bett.
Punkt 7 Uhr wollte ich an der Stätte eines vorzüglichen Abendessens meinem Capuccino und ein Croissant einnehmen. Es gelang fast pünktlich, leider gab es wieder kein mit Pistaziencreme gefülltes Gebäckstück – es musste erneut ohne gehen. Es gab Windwarnungen und Regen hatten sich angekündigt und es lagen mehr als 20 km mit einer zu bewältigenden Höhe von etwa 1200 m vor mir.

Ich startete also durch und traf an der ersten ernsthaften Steigung meinen Stuttgarter Mitpilger. Wir trafen uns später noch einmal, nachdem ich meine Mittagspause beendet hatte.

Die Wege waren zunächst leicht zu gehen, ich passierte Höfe und kleine Ortschaften bei etwa 11° Celsius Außentemperatur. Leider musste ich meine erarbeitete Höhe immer wieder durch steile Abstiege in kleine Täler und Schluchten abgeben. Nach dem Streifen der Ortschaft Casalino begann dann das große Leiden eines sehr steilen Anstieges. Passagen von über 20 % Steigung beschäftigten meine Muskulatur extrem. Zudem hatte ich zu dem Zeitpunkt noch mein Tagesmaximalgewicht auf dem Rücken.
Es waren ca. 5km nicht enden wollender Strapazen und einem leichten Schrecken nachdem ich ungewöhnliche Spuren und ungewöhnlichen Kot eines vermutlich sehr großen Tieres gesehen habe.

Oben angekommen ging es abwärts durch einen alten Buchenwald und an einem schnell größer werdenden Bach entlang zur Einsiedelei S. Eremo di Camaldoli. Dieser Ort war eingehüllt in Ruhe, das Vogelgezwitscher erschien fast zu laut.

Hier nahm ich gegen 12 Uhr meine ausgedehnte Mittagspause ein. Diese wurde jäh unterbrochen durch einsetzenden Regen und weiter sinkende Außentemperaturen. Es gab keinen Netzempfang und ich entschied mich dennoch von der vorgeplanten Route abweichend einen alternativen Weg und etwas kürzen Weg zu gehen, der aber leider im Nachhinein mit mehr Höhenmetern ausgestattet war.

Es ging weitere 4 km steil aber nicht ganz so steil wie vorher bergauf. Der Regen wurde stärker, Nebel kam auf, es wurde kälter. Irgendwann hatte ich den höchsten Punkt bei etwa 1350 m erreicht und es begann ein langer und gefährlicher, weil glitschiger Abstieg. Belohnt wurde ich von mystisch anmutenden uralten Buchen und dem Feedback einiger Wegweiser, dass ich auf dem richtigen Pfad schritt.

Am Nachmittag erreichte ich bei starkem Regen mein Ziel, checkte ein und suche gleich nach einer Essensgelegenheit, vielleicht finde ich die Beste am Platz.

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