Nach einem gesunden Schlaf startete ich gegen 9 Uhr aus meiner Nachtstätte.
Die Wettervorhersage versprach Regen, die erste schwere Prüfung der diesjährigen Pilgerschaft stand auf dem Programm. Der etwa 18 km lange Aufstieg zum Passo della Consuma. Mit den zu überbrückenden mehr als 1000 Höhenmetern gehört diese Etappe zu den schweren des Franziskusweges.
Ich brauchte Proviant und hatte Glück, dass heute Markttag war. Ein Kauf von sehr lecker aussehenden Würsten in den Sorten „classico“ und „picante“ sowie etwas Brot und einen mittelalten Peccorino lösten das Problem. Nach diesem schweren Einkauf stärkte ich mich in einer Bar mit einem Capuccino und einem Pistazien-Croissant und steuerte schließlich wildentschlossen zu einem Discounter, in dem ich mir noch etwas zusätzliches Wasser kaufte in der Vorahnung eines schweißtreibenden Aufstiegs.
Endlich ging es über die Brücke des Sieve los und in den Aufstieg hinein. Mit dem Proviant und dem zusätzlichen Wasser wog der Rucksack noch mal 2 kg mehr. Es war alternativlos. Nach wenigen Metern überrundete ich einen Mitpilger den ich später wiedersah und stürmte weiter den Berg hoch. Es ging erstaunlich gut und nach einer kurzen Trinkpause ließ ich mich etwa auf halber Strecke zum Lunch auf einer der ganz wenigen Sitzgelegenheiten nieder. Zum Glück war es nicht so warm und sonnig. So konnte ich mir auch mein Wasser gut einteilen.
Während der erste Teil des Aufstiegs auf Straßen und zum Teil sehr steinigen Wegen mit tollen Aussichten geschmückt war, ging es jetzt in den Wald hinein. Nicht ganz ungefährlich, da es den Spuren nach zu urteilen derzeit sehr viele Wildschweine mit Nachwuchs gibt. Nun setzte auch der Regen ein und es wurde etwas ungemütlich. Die zum Teil sehr steilen Abschnitte im Wald wurden glitschig.
Irgendwann sah ich einen laufenden Regenschirm vor mir. Dieser beschleunigte mich und ich holte ihn kurze Zeit später ein. Zu dem Regenschirm gehörte eine Pilger aus Stuttgart, der in dieselbe Unterkunft wollte wie ich auch, Wir gingen zusammen und kamen etwas abgebremst in Consuma an. Hier trennten sich unsere Wege für einige Stunden, da wir verschiedene Bars aufsuchten um die ca. 3 h bis zum Check-In zu überbrücken. Ein großes Bier, ein Kaffee, etwas Gebäck und eine Gruppe von in veranschaulichen Beziehung stehenden Italienern verkürzten mir die Wartezeit.
Schließlich ging es zum Check-In in einer bezaubernden Herberge mit der grandiosen Möglichkeit, in der Herberge ein Pilgermenü zum üblichen Preis von 15 € einnehmen zu können. Und anders als in früheren Konstellationen war dieses Menü an Köstlichkeit kaum zu überbieten und schlug locker jedes beste Restaurant am Platz, das in Consuma zugegebenermaßen auch nicht zu finden war, Es gab Minestrone, Crostini, Kohl, Bohnen, eingelegte Tomaten, Schinken und Wurst, Brot, Wein und als Nachtisch eine Kuchenspezialität sowie einen Honig-Crostini. Zu viert (neben dem Stuttgarter Mitpilger gab es noch einen aus dem Voigtland sowie einen Amerikaner aus Utah) schlemmten und erfuhren von Luca, unserem Herbergsvater, viel über die Gegend, die Etrusker, Langobarden und Römer.