Etappe 2: Von Pontassieve nach Passo della Consuma

Länge 19km, Aufstieg 1080m, Abstieg 150m, Dauer 4h 11min netto.

Diese heutige Etappe war wahrlich ein erster Belastungstest für unsere Pilgerfüsse. Zunächst gab es in unserer Herberge „Leonardo Rooms“ ein durch unsere Herbergseltern sehr liebevoll bereitetes und umfangreiches Frühstück. Erstes Schockmoment für mich war, dass mein Mitpilger, der heilige Markus, an der Nuss-Nougat-Creme vorbeigriff, eine Beobachtung, die ich niemals zuvor während unserer gemeinsamen Unternehmungen gemacht hatte. Mit der Herbergsmutter kamen wir während unseres Frühstücks ins Gespräch und erfuhren, dass zumeist deutsche Pilger in der Zeit von COVID den Franziskusweg liefen. Bereits am Tag zuvor waren 2 Pilger unterwegs und am Folgetag wurden erneut 2 erwartet. Also sehr überschaubar und wenig Konkurrenz um die wenigen Betten….

Um 09.15 Uhr schließlich ging es los, seicht heraus aus dem Ort über eine mittelalterliche Brücke (Ponte) über die Sieva, und gleich danach steil bergauf. Wie gewannen schnell an Höhe, das Höhenprofil flößte uns wirklich Respekt ein. Kurz nach dem Ort Diacceto an einer Rechtskurve war der Weg für uns nicht klar. Es gab zwei Optionen, Straße oder Wanderweg, den wir fatalerweise wählten. Bereits mit den heutigen bisherigen knapp 500 Höhenmetern in den Beinen gelangten wir an einen brutalen Anstieg, der uns ohne weitere Franziskusmarkierungen zu einer Ansammlung kleiner Behausungen führte, an denen wir eine lang ersehnte Markierung entdeckten. Von dort aus ging es durch reichlich Gestrüpp an einen Punkt, an denen die Richtungsentscheidung aufgrund zu vieler Markierungen und Pfeile noch uneindeutiger war und auch in unseren Reiseführern keine Hinweise standen. Ein abenteuerlicher Abstieg folgte, der uns später an einem Campingplatz vorbei auf die ursprüngliche Straße führte, die wir eine Stunde zuvor hätten einfach begehen können. Kurz danach feierten wir an dem kleinen Ort Ferrano „Etappenbergfest“ mit zwei Tage altem Brot, warmen Wasser und etwas Salami.

Nach einer kurzen Stärkung schließlich brachen wir auf um den Rest der Etappe zu bezwingen. Uns erwartete ein ebenfalls sehr anspruchsvoller Anstieg auf einer Länge von 5 km und ein anspruchsvoller Anstieg auf einer Länge von 4 km über zum Teil sehr schwer begehbare Wege.

Oben angekommen gingen wir zu einem „offenen“ Gasthaus La Baitai, an dem wir kurz verweilen und etwas trinken wollten. Wir erfuhren eine ausgesprochen ausgeprägte Form der toskanischen Gastfreundlichkeit und erhielten eine temperamentvolle Absage der Wirtin, die sich anschließend vor unseren Augen auf der Terrasse ein Kaltgetränk und etwas zu Essen genehmigte.

Beflügelt von diesem Erlebnis erreichten wir den Passo della Consuma, tranken in einer offenen Bar ein Bier und checkten in unserem heutigen Nachtquartier ein, einem etwas heruntergewirtschafteten Etablissement, an dem wir auf einer Gemeinschaftsterrasse zwei paar Schuhe sowie einen typisch deutschen Deuterrucksack zum Auslüften entdeckten … Fortsetzung folgt.

Jetzt geht es gleich zum Abendessen. Und morgen erwartet uns ein fulminanter Abstieg, der anspruchsvollste des Franziskusweges.

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