Auch heute verlassen wir gegen 9 Uhr unsere Herberge. Den Grappa noch in den Knochen geht es nun bei schönstem Wetter auf sehr aussichtsreichen Höhenwegen dem Tale entgegen.
Einzig eine letzte nennenswerte Passhöhe, der Alto do Polo, mit einer kurzen aber wahrlich brutalen Steigung stellt sich uns noch in den Weg.
Von da an geht es ca. 3 h nur noch bergab in Richtung Triacastela. Vorbei an den typischen keltischen Häusern, Hütten und Scheunen aus dunklem Bruchstein und oftmals mit Stroh bedeckt, vorbei an blühenden Bäumen und Wiesen auf einsamen, steinigen und zum Teil sehr steil abfallenden Wegen.
Etwa 1.5 h vor Ankunft ist der Zielort bereits zu sehen, tief im Tal liegend. Auf halbem Wege dorthin gerate ich in eine Kuhherde, die gerade selbständig den an dieser Stelle sehr engen Weg aufwärts trottet. Ich habe einen großen Respekt vor diesen sehr bulligen, hellbraunen und mit ordentlich Horn auf dem Kopf versehenen Tieren. Aber ich scheine sie nicht sonderlich zu interessieren.
Etwas später ziehen wir in den Ort ein. Der Name Triacastela hat seinen Ursprung in der einstigen Existenz dreier Kastelle, von denen heute nichts mehr zu sehen ist. Für die Pilger des 12.Jahrhunderts hielt das Städtchen eine besondere Herausforderung parat. Sie mussten in den Steinbrüchen nicht unweit Kalk abbauen und auf ihrem Weg weiter ins ca. 80 km entfernte Castaneda transportieren. Dort wurde der Kalk gebrannt und für die Kathedrale von Santiago de Compostela als Baumaterial verwendet.
Wir erreichen unsere Herberge und nutzen die erlaubte Verwendung von hauseigenen Wäscheleinen im Freien für einen ausgiebigen Waschtag. Unsere unglaublich anziehende Unterwäsche ziert nun den Garten. Dieses Wissen verlieh uns Energie für ein längeres Pläuschchen mit einem Australier und einer Engländerin über Frühstücksgepflogenheiten, Bier, Nutella und andere Dinge. Dazu tranken wir lokales Bier und unseren geliebten Pacheran.
Gleich geht es los zum Abendessen und zu einer weiteren Variante des weltberühmten Pilgermenüs. Das Pilgerleben ist schon schwer und unerbittlich!