07.30 Uhr, der Wecker umschmeichelt unsere Ohren. Das abendliche Mahl mit Pulpo, Pimientos, Vino Tinto etc. noch nicht gänzlich verdaut, ging es trotzdem im Eiltempo durch alle morgentlichen Rituale. Ergebnis: bereits 08.45 Uhr waren wir wieder auf unserem geliebten Camino.
Wir hatten uns heute einiges vorgenommen. Es gab im Laufe der Strecke zwei Alternativrouten, die wir beide nutzten. Eine Weg-verlängernde (ca. 2 km) und eine Höhenmeter-erweiternde (ca. 400 m). Noch gestern in bester Weinlaune waren wir der Überzeugung, dass diese marginalen Erweiterungen uns nichts würden anhaben können, durchtrainiert wie wir waren und nach mehr als einem Liter Wein mit aller notwendiger Energie ausgestattet.
Gesagt getan, zwei Pilger ein Wort, durchliefen wir also unsere Alternativenstrecken.
Die erste wegverlängernde Strecke führte uns durch wunderschöne Weinberge und durch ein verschlafenes Dörflein (ohne Bar) nach Villafranca. Am Ortseingang kamen wir am alten Ablassportal einer alten Pilgerkirche vorbei. Hier konnte der Pilger von einst, der nicht fit genug war, um es nach Santiago de Compostella zu schaffen, einen Ablass erwerben, um sich von seinen Sünden freizukaufen. Heute hatte das Tor geschlossen, sodass Markus und mir nichts anderes übrig bleibt, als den noch langen und beschwerlichen Weg weiter nach Santiago zu gehen.
Neben der Pilgerkirche gab es in diesem Ort ein mächtiges Kastell, zwei weitere beeindruckende Kirchenbauten sowie eine wunderschöne Altstadt.
Aus dem Ort herauskommend bogen wir ab auf einen extrem steilen Weg, um der Höhenmeter-erweiternden Strecke zu folgen. Schnell gewannen wir Höhe und kamen so aus dem engen Spitztal auf einen wunderschönen Höhenweg vorbei an verkohlten Waldstücken und Buschwerken und blühenden Hängen. Oleander, Lavendel später Ginster und Heide und noch später alte Eichen und Kastanien säumten unseren Weg. Der Ausblick war atemberaubend, kurz vor dem Abstieg ging ein letzter Blick zurück nach Ponferrada und den Bergen, die wir vor zwei Tagen bezwungen hatten. Das schöne Wetter und die klare Luft machten es möglich.
Nun begann ein verflucht steiler Abstieg, unsere Knochen meldeten höchste Belastung und wir begannen die aufkommenden Wunden bereits intensiv zu lecken. Unsere Wege trennten sich und wir trafen uns im Tal wieder, wo nun noch ca. 7 km Weg parallel zur Autostrada auf uns warteten.
Diese 7 km schlugen auf unser Gemüt, die Knochen wollten Rast, doch unser Geist trieb uns bis zu unserem Zielort nach Ambasmestas.
Dort angekommen fielen wir auf unsere Betten, die geschundenen Knochen und wohlerhitzten Füsse sorgten für eine sehr angenehme Atmosphäre.
Dafür schmeckten die Speisen und die Getränke noch besser und wir schauen nun auf den morgigen Tag, an dem wir den letzten großen Pass vor Santiago bezwingen müssen.