Beobachtungen eines Pilgers.
Ein 4-Sterne Spa-Hotel ist Pilgerfreundlich. Es hat ein großes Badezimmer mit Doppelwaschbecken, Badewanne und separater Dusche. In dem Doppelwaschbecken kann man prima seine Wäsche waschen. In dem einen Becken waschen, in dem anderen Becken ausspülen. Und über der Badewanne eine Leine gespannt, kann die Wäsche dort schön abtropfen.
Nicht nur die Zeit ist relativ, sondern auch die Entfernung. Der Zielort kommt in Sicht, man ist eigentlich schon da. Und trotzdem muß man noch mindestens eine Stunde laufen
Die Kulturen vermischen sich. Ich habe in den letzten Tagen eine Spanische Männergruppe beobachtet. Der eine Wanderer hat zu seinen Turnschuhen weiße Kniestrümpfe an. Ausserdem erinnert mich diese Truppe eher an eine Germanische Vatertagsrunde.
Die Natur lebt. Man nimmt sich zum Beispiel vor, bei dieser Baumgrupe dahinten machen wir Rast. Dann kann man bemerken, wie eben diese Baumgruppe sich langsam von einem fortbewegt.Es dauert dann halt ein wenig länger, bis man zu seiner Rast kommt.
Auch die Beine haben eine Intelligenz. Wie sonst läßt es sich erklären, daß immer auf den letzten Kilometern die Beine schwer werden.
Pilger sind abergläubisch. An Rastplätzen wird der Boden der umliegenden Bäume und Sträucher mit kleinen weißen Papiertüchern dekoriert. Und manchmal findet man dazu noch eine weitere Opfergabe, die ich hier aber nicht näher beschreiben möchte.
Und was war sonst so heute los?
Um 0900 Uhr in Astorga gestartet. Das Wetter war bewölkt, aber trocken. Also kurze Hose und lange Ärmel. Der Weg war nicht anstrengend. Es ging lange Etappen nur geradeaus. Der Unterschied zur Meseta ist nur, das diesmal Berge um einen herum sind. Auch die Vegetation ändert sich. Es gibt kleine Eichen- sowie Nadelbäume. Ausserdem auch weite Landschaften die wie Heide aussieht. Die Höhenmeter, immerhin 1150 Meter, machen sich so langsam bemerkbar. Nach knapp 20 Kilometern dann so kurz vor 1500 Uhr im Hotel angekommen. Wenn man langsam geht, so hat man den Ort in 10 Minuten erkundet.
Es bleibt also viel Zeit für die innere Einkehr.