Nach dem himmlischen Wecken um 07.30 Uhr und der üblichen Morgentoilette gab es in stimmungsvoller Atmosphäre ein üppiges Frühstück mit Brot von gestern, einem Kaffee aus wahrscheinlich mehrfach gebrannten Bohnen und einem Potpourri von vor etwas längerer Zeit aufgeschnittener Wurst und Käse.
Uns gegenüber saß eine Gruppe von Pilgerinnen, die uns versehentlich letzte Nacht besucht hatten, da die Zimmertüren alle gleich aussehen und unsere in dieser bestens ausgestatteten Herberge einfach nicht zugehen wollte.
Kurz, wie waren bestens präpariert für die vermeintliche 27 km – Tour, die während des Frühstücks zu einer 17 km – Tour (also weniger als der Hälfte von gestern) dahinschmolz.
Frisch gestärkt brachen wir auf, verliessen die gastliche Atmosphäre und nahmen nach einem Abstecher im Supermarkt Kurs auf Astorga. Was würde uns heute noch erwarten?
Zunächst einige Hügelchen, die wir entlang eines roterdigen und breit ausgebauten Weges erklommen. Und dann doch endlich die ersten Pilger mit Wiedererkennungswert.
Zum einen das kleine Rasterlöckchen mit beringter Nase, das/die auf halbem Wege laut in einer mir unverständlichen Sprache mit Kühen, Ziegen und Schweinen sprach. Dann der einsame Koreaner, der während der Tour einen Handschuh trug und den zweiten in seiner Handschuhhand hielt und ansonsten höchst introvertiert wirkte. Schließlich mehrere japanische Pilgerpärchen, die mich bzw. uns jedesmal mit einem akzentfreien Buon Camino begrüßten. Und Natascha, die einsame Russin, die Markus sofort als Deutschen erkannte, ohne auch nur ein Wort mit ihm gesprochen zu haben.
Mit derlei vielfältiger und aufregender Begleitung liefen wir die Kilometer flugs ab, so daß nicht einmal Zeit für ein Picknick-Päuschen war.
Kurz nach Mittag zogen wir nach Astorga ein. Die Stadt und der Weg hinein erinnerten stark an Pamplona. Hoch oben, oberhalb einer scheinbar unbezwingbaren Stadtmauer, throhnte die Kathedrale, daneben der von dem berühmten spanischen Architekten Gaudi erbaute Bischofspalast. Beide Sehenswürdigkeiten sahen wir uns an, unterbrochen nur von einer köstlichen Hopfenkaltschale.
Diese Stadt zog uns sofort in ihren Bann. Wir sahen einen lebhaften spanischen Wochenmarkt, in der Kaufleute ihre unterschiedlichsten Waren anboten. Überall erzählte die Stadt von ihrer langen Geschichte. Sie war bereits zu römischen Zeiten ein Zentrum für Kaufleute. Heute ist sie unter anderem berühmt für ihre Schokolade sowie für köstliches Blätterteig- und Buttergebäck.
Gleich geht es los zu unserem zweiten Pilgermenü. Nachdem unser erstes gestern für uns eine Explosion der Gaumensäfte hervorrief, kann ich es kaum erwarten, die drei Gänge langsam kauend zu geniessen und mit Rotwein zu benetzen. Buon appetito.