Heute nun war unsere letzte Etappe unseres ersten Teils der Mission Jakobsweg.
Bereits beim Aufstehen und beim Frühstücken herrschte eine merkwürdige Atmosphäre.
Nicht dass wir nicht mehr gewusst hätten, wer von uns welche Handgriffe zu bewältigen hätte um sich zu sortieren, zu waschen, in der richtigen Reihenfolge das WC zu nutzen (!), sich einzucremen und schließlich sein Gepäck zu schnüren. Oder dass wir unser Frühstück in der gewohnten Art und Weise eingenommen hätten. Markus nur Marmelade, drei Tassen Kaffee, ein Croissant, falls vorhanden, Müsli, ein Glas Orangensaft, ein Joghurt zwei halbe Baguettes, kein Käse und kein Schinken, Holger Marmelade und Honig, wobei er sich den Honig gerne über die Hände goss zur Pflege derselben, ein Croissant, Müsli, Orangensaft, Joghurt, Baguette, Käse aber kein Schinken, eine Kiwi, falls vorhanden und schließlich meine Wenigkeit mit Ausnahme von Müsli alles o.g. plus ausgiebig Obst und gebratene Wurst falls vorhanden.
Kurz wir hatten unsere Abläufe bereits 19-fach erprobt und ritualisiert und sie saßen.
Und dennoch war es heute anders. Es war das letzte Mal!
Der Weg war wenig spektakulär. 19 km wiederum fast schnurgerade, links eine Reihe von Platanen, die ein wenig Schatten spendeten, rechts eine praktisch nicht befahrene Landstraße.
Und doch gab es eine Besonderheit. Erstmals war Captain Holger in der Rolle des Ausreißers und als erster an unserer Zielankunft, was er mit unserem heutigen Herbergsvater ausgiebig feierte, dazu später mehr. Im Gegenzug pilgerten sein erster Offizier Martin Spok gemächlich mit Schwester Markus und erkundeten beispielweise ein Flugfeld mit Ultraleichtflugzeugen und einer reizenden Senorina, die den Pilgern einen wahrlich schmackhaften Kaffee zauberte und sie mit allerlei netten Gesten sowie spanischen Erläuterungen über die Eigenschaften, Motorisierungen sowie das Erlangen von Fluglizenzen bezauberte.
Stark benommen von diesen Eindrücken gelangten wir schließlich an unseren Zielort und trafen den bereits bestens gelaunten Holger mit Javier – dem Herbergsvater. Zur Begrüßung gab es gleich ein Bier und schmackhafte Tapas, Captain Holger feierte auch unsere Ankunft zusammen mit Javier mit.
Javier ist ein umsorgender Spanier Mitte 60 und ein promovierter Biologe, der zusammen mit Frau und Tochter diese sehr urige und mit nur vier Zimmern ausgestattete Herberge leitet und der mit uns nach unserer üblichen Duschtournee (in der richtigen Reihenfolge!) in die Geheimnisse der spanischen Weißweine einweihte.
Nicht genug, zu unserem Abschied gesellten sich später nach der zweiten Flasche Wein eine Gruppe bekannter Pilger (aus Australien, Kanada, Schottland und Irland) dazu, mit denen wir ein rauschendes Abendessen einnahmen, natürlich eines meiner heiß geliebten Daily Menüs auch bekannt als Pilger-Menü.
Wir haben viel gelacht und dabei einiges für die Völkerverständigung nach Art der Pilger getan.
Nun liege ich zwischen meinen schnarchenden Mitpilgern im Bett, während ich diese Zeilen schreibe, die Koffer sind gepackt und ich lasse meine Gedanken noch einmal über die letzten knapp drei Wochen schweifen. Was ist mein erstes Resümee?
1. Die Tour hat meinen Geist und meinen Körper sehr stark gefordert. 17 Tage der 19 verliefen nicht schmerzfrei.
2. Es ist ein wunderbares Gefühl, Teil einer internationalen und alle Grenzen und Hindernisse überbrückenden Pilgergemeinde zu sein, die von der spanischen Bevölkerung entlang des Weges verehrt und stets unterstützt wird duch ein aufmunterndes buen camino.
3. Wir Jakobiner hatten eine wunderbare Zeit und viel Spaß zusammen. Wir werden unsere Mission fortsetzen und erfüllen.
In diesem Sinne möchte ich unser Motto formulieren verbunden mit einem letzten Gruß aus der Ferne an unsere treuen Blog-Leser sowie ebenso verbunden mit unserem tiefsten Dank an ein wunderbares Land mit tollen Menschen:
Heute ist nicht aller Tage, wir kommen wieder, keine Frage.
Adios y muchas gracias Espana!