Nach einem Menü der besonderen Art mit der kastillianischen Knoblauchsuppe, Knoblauckgarnelen, Lamm, Huhn und Schwein sowie der üblichen Flasche Wein waren alle Zutaten am Abend in unseren Mägen vereint, um eine der härten Prüfungen als Pilger für diesen heutigen Tag in Angriff nehmen zu können. Die Strecke ohne wirkliche Rastmöglichkeit.
17 km auf alten römischen Wegen, schnurgerade angelegt, praktisch ohne Baum und/oder Strauch bei voller Sonneneinstrahlung. Wie beschlossen heute komplett getrennt zu laufen, da durch die unterschiedlichen Lädiertheitsgrade an Bein und Fuss es nur galt durchzuhalten.
Wahrlich, diese Etappe war eine Prüfung. Einzige wirkliche Abwechslung waren einige wenige landwirtschaftliche Fahrzeuge, die gewaltig viel Staub aufwirbelten. Ansonsten war es ein Kampf mit oder gegen Geist und Körper.
Nach 4 Stunden kam die erste Kurve des Tages, nämlich die zur Unterkunft, einem Hostal voller bekannter Pilger und einem Schlafraum, der nur aus Betten besteht. Hier also können Beziehungen intensiviert werden. Ich probiere das heute mit Captain Holgers Füßen, die ich direkt mit meinen Lippen berühren kann, wenn ich mich zur Seite drehe. Mit derartigen tiefwirkenden Erlebnissen stelle ich mir die Frage einer Resozialisierung nach dem Ende unserer Tour.
Bis dahin sind es noch ein paar Tage, in denen die weiteren Wege und Stationen noch einige weitere Überraschungen parat haben werden. Das Leben des Pilgers ist bekanntlich unplanbar.
Mit einem zünftigen Abendessen im Bauch und einer gewissen Weinseligkeit sowie den glanzvollen Vorstellungen des Herbergsvaters vor Augen, der uns in drei Sprachen Lehrstücke eines multitalentieren Kavalliers darbrachte, sind wie nun endlich in unserer Bettenlandschaft angekommen.
Möge die Nacht niemals enden, und falls doch, dann nur um zu einer weiteren Etappe aufzubrechen.