Heute haben wir die letzte große Stadt unserer Wanderung verlassen. Die Stadt der Ruhestätte des spanischen Nationalhelden El Cid, dessen sterblichen Überreste in der großartigen Kathedrale (Weltkulturerbe) von Burgos liegen. Die Stadt der Brauerei des berühmten spanischen Biers San Miguel. Die Stadt in der bis in die frühen Morgenstunden die weiße Nacht gefeiert wurde und in der wir ein letztes mal phantastische Tapas genießen durften.
Die Wanderung führte uns durch die spanische Hochebene Meseta, auf der kein Baum und kein Strauch wächst und wo wie aus dem Nichts in geschützten Niederungen Zeugnisse menschlicher Siedlungen auftauchten. Der Wind trocknete uns und unsere Haut aus, unsere Füße wurden müde auf dem monotonen und sich fast ohne Höhenunterschied schnurgerade verlaufendem Weg. Eine wahrhaftige Prüfung für uns Pilger, die wir bereits etwa 300 km in den Beinen haben.
Der Zielort beeindruckt durch ein großes Kastell, majestätisch auf einem Hügel gelegen und ein Kloster sowie eine Marktflecken mit zwei Kirchen beschützend. Unsere Unterkunft war heute schwer zu finden, wahrscheinlich hatte uns die Monotonie der Hochebene sämtlicher Schärfe unseres Verstandes beraubt.
Entlohnt wurden wir mit dem Hochzeitszimmer. Markus und ich nutzen diese Nacht die Betten der sonstigen Frischvermählten, während sich Holger mit der Rolle des schnarchenden Beobachters zufrieden geben muss.
Doch vor dieser Nacht haben wir viele neue Pilger kennengelernt sowie einige wenige Altbekannte wiedergetroffen. Offensichtlich haben wir einen etwas anderen Rhythmus als die uns doch so sehr vertrauten Pilgerbrüder und Schwestern der letzten knapp zwei Wochen.
Beispielhaft möchte ich zumindest El Mäuschen und den Klugscheißer von den bislang unerwähnten Altbekannten nennen, beides Pilger mit sehr bemerkenswerten Eigenschaften. El Mäuschen beeindruckt uns durch seine sehr gelenkige und wieselflinke Art zu gehen (ich musste ihm vor drei Tagen seine Grenzen aufzeigen…), während Klugscheißer in sehr netter Art feststellte, dass nicht alle Bürger Spaniens im allgemeinen sowie entlang des Jakobsweges im speziellen gleichermaßen Englisch sprechen. Ich würde meinen, dass es sich dabei fast um eine Binsenweisheit handelt.
Nun, genug der Worte. Ich bin gespannt, wie ich mich nach dieser Nacht imHochzeitszimmer fühlen werde. Ob ich darüber berichten werde, weiß ich freilich noch nicht.