Das Frühstück heute bei den Cister Sisters war wie die Unterkunft einfach und ruhig. Diesmal gab es keine lärmenden oder mit guten Ratschlägen aufwartenden Mitpilger sondern nur uns, etwas Baguette, Marmelade, Butter, Multivtaminsaft, gaumenhaftende Kekse sowie die Gewissheit, dass wir die letzten Frühstücksgäste des heutigen Tages waren, da die anderen Tische bereits mit Weinflaschen bestückt waren und uns die nette Nonne mit den wundervollen braunen Augen die großen Krüge mit dem Restkaffee freundlich lächelnd an den Tisch brachte, um uns danach meditierend zurückzulassen.
Irgendwann schafften wir dann doch den Aufbruch aus diesem spirtuellen Ort und gingen unserer Wege hinaus aus dieser heiligen Stätte des Hühnerwunders (eine sehr lange Geschichte, die man sich nur von dem Autoren dieses Textes sinnhafterweise erzählen lassen kann, sofern er diese dann noch parat hat….).
Dieser Weg brachte uns in eine neue Region. Wir verließen Rioja und gelangten nach Kastilien und Leon, eine zumindest heute stark vulkanisch geprägte Gegend voller sattem Grün und einem Wechselspiel aus Sonne, Regen und Wolken, verbunden mit entsprechenden Temperaturschwankungen.
Wir durchquerten kleine Orte, in denen sich spektakuläre Ereignisse abspielten. So erlebten wir beispielsweise, wie unter den Augen der Dorfbevölkerung ein Gullideckel geöffnet und gesichert wurde und die Müllabfuhr leere Abfallcontainer noch einmal leerte oder ein Bäckerbote ein Dorf mit den Backwaren eines anderen Ortes versorgte. Szenen, die uns durchaus beeindruckten, und die knapp 22 Kilometer lange Strecke wie im Fluge an uns vorbeiziehen ließ.
Der heutige Zielort mit der sehr schönen sternelosen Unterkunft schließlich hielt dann eine wunderbare Überraschung für uns parat, nachdem wir die viele Zeit bis zu unserem Abendessen durch schier endlose Spaziergänge durch dieses an Höhepunkten reiche Örtchen mit seinen temperamentvollen Renterinnen sowie viel Bier in gut besuchten Bars gezielt überbrückt hatten: während wir unterwegs nur wenige Menschen (mit Ausnahme der Dorfbevölkerungen) trafen, konnten wir bei unserem heutigen 10€-Menü fröhlich das folgende Lied anstimmen: Alle Pilger sind schon da, alle Pilger alle, French Connection, Jesus, Olli Pocher Star und die ganze Pilgerschar wünschen uns die Energie gegen Pilgermonotonie.
Beschwingt durch diese Eindrücke kehrten wir in unser kuschliges Zuhause zurück und freuen uns auf diese unsere gemeinsame Nacht und einen Morgen voller neuer Überraschungen.